Alt werden ist ein beinharter Job

03.10.18

Alter Mann gebückt mit zwei Gießkannen von hinten

Maxi ist nie wirklich groß geworden. Die schwere Arbeit von Kindheit an hat ihn gebückt und sein leiser Gang lassen ihn jetzt im Alter noch kleiner erscheinen. Das Einmaleins war nicht seins, aber auf dem Feld wusste er genau, wie man anpacken musste.

Ein alter Baum wird verpflanzt
Anfangs wollte er im Altenwohnheim nicht recht heimisch werden. Alles schüchterte diesen einfachen, bescheidenen Mann ein. Er war in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und als Knecht war er froh, wenn etwas Warmes zum Essen auf den Tisch kam und er sich im Winter in der kalten Kammer nicht die Zehen abfror. Die neue Umgebung des Altenwohnheims mit der modernen Ausstattung, wie Lift und automatischen Türen, und auch die sonstigen, ungewohnten Bequemlichkeiten verunsicherten ihn und er wanderte ziellos und recht verwirrt durch die Gänge.

Der Schlüssel zu Maxis Welt
Wie konnten ihm die Betreuer helfen, um wieder Sicherheit und Freude am Leben zu finden? Was könnte Maxi vor dem Rückzug in sein Ich bewahren, was könnte spannend genug sein, um ihn wieder in die Gegenwart zu locken? Er hatte sein Leben lang hart gearbeitet und plötzlich war er zum Nichtstun verurteilt. In seiner Welt hatte er nur eine Existenzberechtigung, wenn er etwas leistete. Jetzt fühlte er sich aber unnütz und wollte nur mehr sterben.

Maxi blüht auf
Maxi ist kaum mehr wieder zu erkennen. Nun marschiert er jeden Morgen mit zwei Gießkannen bewaffnet zu den Blumentrögen des Altenheims, überprüft fachmännisch die Erde und zupft liebevoll da und dort ein dürres Blättchen ab. Maxi ist nun quasi der ehrenamtliche Haus- und Hofgärtner des Altenwohnheims. Der sonst so schweigsame, kleine Mann ist aufgeblüht. Nichts Schöneres gibt es für ihn, als ein Lob über die Blütenpracht in „seinen“ Blumentrögen. Endlich hat er wieder eine Aufgabe und das Gefühl, gebraucht zu werden. Das macht ihn wieder so richtig glücklich und hat ihn endlich groß gemacht.

 

TIPP: Liebe und Aufmerksamkeit

Wenn alte Menschen gewisse Sätze immer wieder wiederholen, kann dies ein wichtiger Hinweis auf schmerzlich empfundene Defizite sein. Im Fall von Maxi war der Wunsch zu sterben eigentlich der Ruf nach einer Aufgabe, um wieder Wertschätzung zu erfahren. Manche beklagen sich bei ihren Angehörigen über das Essen, das ihnen so gar nicht schmeckt. Angehörige wundern sich oft, denn sie sehen, dass Mama oder Papa genügend Nahrung zu sich nehmen und empfinden diese vermeintliche Kritik als Kränkung.

Das Essen kann in so einem Fall ein Symbol sein und die eigentliche Botschaft heißt: Ich bekomme nicht genug Liebe und Aufmerksamkeit.

 

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Teil 2 der Serie Demenz