92-Jährige findet das Glück der Erde

08.11.18

Als Mädchen und junge Frau drehte sich bei der 92-jährigen Klara Panholzer alles um Pferde. Heute wohnt sie im Zentrum für Betreuung und Pflege in St. Florian und hatte seit Jahrzehnten keinen Kontakt zu den edlen Tieren. Die Caritas-Schülerin Tatjana Stach (21) aus Enns, die Klara Panholzer während ihres Praktikums kennen lernte, wollte das ändern. Als Abschlussarbeit organisierte die angehende Fach-Sozialbetreuerin in der Altenarbeit für sie einen Ausflug zu den Pferden.

Wer wie Klara Panholzer einmal vom „Pferdefieber“ gepackt worden ist, bleibt meist ein Leben lang „infiziert“. Doch mit zunehmendem Alter wird das Reiten schwieriger. Häufig liegt dann das Glück der Erde nicht mehr am Rücken der Pferde. Es wird schon verspürt, wenn man nur den Pferdegeruch in der Nase hat, das Tier streicheln oder es einfach beobachten darf. Wenn schließlich ein pferdebegeisterter Mensch so stark pflegebedürftig ist, dass ein Heimeinzug notwendig ist, dann heißt es meist für immer Abschied nehmen von den geliebten Pferden. So war das auch für Klara Panholzer, die jetzt im Zentrum für Betreuung und Pflege in St. Florian lebt.

Als die angehende Diplom-Sozialbetreuerin in der Familienarbeit sowie Fach-Sozialbetreuerin in der Altenarbeit Tatjana Stach aus Enns Klara Panholzer während ihres Praktikums kennen lernte, wollte sie das ändern. Die Caritas-Schülerin entschied sich deshalb für eine besondere Abschlussarbeit: Selbst tierbegeistert, widmete sie ihr Projekt dem Thema „Naturgestützte Betreuung in der Altenarbeit: Förderung der Mensch-Tier-Kommunikation durch einen Besuch im Reitstall“.

„Ich habe selbst ein Pflegepferd“, verrät die 21-jährige Ennserin. „Ich weiß, wie positiv ein Pferd auf den Menschen wirkt. Mit dem Projekt wollte ich einem alten Menschen positive Erfahrungen mit Pferden ermöglichen. Der Mensch sollte durch das Beobachten und Berühren der Tiere angeregt werden. Er sollte mit den Pferden sprechen können, und sein Wohlbefinden und Selbstvertrauen sollte gestärkt werden.“

Tatjana Stach bereitete die Seniorin behutsam in vielen Gesprächen auf den Besuch am Pferdehof vor. Als es schließlich so weit war, war Klara Panholzer von den Eindrücken im Reitstall überwältigt. Gemeinsam mit Tatjana Stach fütterte sie die Pferde auf der Koppel. Gemeinsam striegelten sie das Pony Jojo und Klara Panholzer war überrascht, wie viele unterschiedliche Pflegeutensilien dafür heute verwendet werden. Das war früher ganz anders! Als Höhepunkt machten die beiden einen Spaziergang mit dem Pony. Die Seniorin war stolz, es führen zu können. „Ich habe mich im Reitstall so fit gefühlt“, strahlt sie. Der Ausflug wurde mit einem gemeinsamen Pizza-Essen in einer Pizzeria abgeschlossen und war ein voller Erfolg.

Tatjana Stach hat für Klara Panholzer noch einen Fotokalender angefertigt, der an die gemeinsam verbrachte Zeit erinnern soll. „An der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe ist uns die Vermittlung der naturgestützten Betreuung sehr wichtig“, erklärt die Lehrende Mag.a Ursula Robausch-Weichhart. „Deshalb freut es mich besonders, dass Tatjana Stach dieses Projekt gewählt und so erfolgreich umgesetzt hat.“

Interesse an der Ausbildung in Sozialbetreuungsberufen? Der nächste Infoabend findet am 4.12. um 17 Uhr an der Caritas-Schule für Sozialbetreuungsberufe am Schiefersederweg statt: www.ausbildungszentrum-linz.at