Mann sitzt, mit seiner Geige, im Garten

Copyright: Marion Stinglmayr (Dieses Bild wurde mit KI bearbeitet)

„Ich mache das, was mir mein Herz sagt“

Musik begleitet Arnold Medicus seit seiner Kindheit. Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete der studierte Geiger an mehreren Gymnasien mit musikalischem Schwerpunkt. Heute bereitet er jenen Menschen mit seiner Geige besondere Freude, die er bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit im Mobilen Hospizteam der Caritas in Linz und Linz-Land begleitet. „Musik ist für mich ein Riesengeschenk, weil ich in ihr so viel ausdrücken kann. Und ich kann sie jetzt dort weitergeben, wo sie gebraucht wird“, sagt der 69-jährige Trauner.

Zur Hospizarbeit kam Arnold Medicus, als er 2012 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin eine gute Freundin nach der Diagnose Gehirntumor bis zuletzt begleitete. „Ich habe gemerkt, wie viel Sinn diese Begleitung macht. Wir waren einfach da. Damals habe ich mir vorgenommen: Wenn ich in Pension bin, möchte ich das weiterführen.“ Bereits in der Altersteilzeit absolvierte er den Grundkurs für Leben-, Sterbe- und Trauerbegleitung bei der Caritas. Dieser Kurs bereitet angehende Hospizbegleiter auf diese Aufgabe theoretisch und mit Praktika vor. Seit seiner Pensionierung ist er ehrenamtlich im Mobilen Hospizteam der Caritas in Linz und Linz-Land tätig und hat bisher zehn Menschen begleitet. Manche Begleitungen dauerten nur wenige Wochen, andere mehrere Jahre. Jede Begleitung ist für ihn einzigartig.

„Ich habe oft das Gefühl, dass ich durch diese Arbeit mehr belohnt werde, als ich selbst Energie hineinstecke.“ Besonders berührt hat ihn der Satz einer 98-jährigen Patientin: „Jetzt weiß ich, warum ich so alt werden durfte und bettlägrig – um Sie kennenzulernen.“

Wie viel er dabei mit Musik bewirken kann, erlebt Arnold Medicus immer wieder. Eine Patientin, selbst begeisterte Chorsängerin und Klavierspielerin, hatte sich von der Caritas ausdrücklich eine musikalische Hospizbegleitung gewünscht. Trotz ihrer ALS-Erkrankung spielt sie mit der rechten Hand Keyboard, während Arnold Medicus sie auf der Geige begleitet. „Das motiviert sie, bis zum nächsten Treffen zu üben. Und ich habe tatsächlich den Eindruck, dass sie motorisch Fortschritte macht – was bei dieser Erkrankung eigentlich nicht zu erwarten ist.“ Nach seinem ersten Besuch erzählte sie ihm, dass sie mehrere Tage besonders entspannt gewesen sei.

Derzeit begleitet Arnold Medicus zwei Personen, mit denen er jede Woche jeweils etwa zwei Stunden verbringt. Dabei überlegt er stets, wie er ihnen Momente der Freude bereiten kann – auch ohne Geige. Gemeinsam werden Fotobücher angesehen, Reiseberichte betrachtet oder Geschichten vorgelesen, je nachdem was der jeweiligen Person gefallen könnte. Gerade bei Menschen mit Demenz erlebt er die besondere Kraft von Musik und Gedichten: „Eine demenzerkrankte Frau dirigierte mit dem Fuß mit und war plötzlich mit weit geöffneten Augen hellwach.“ Dabei achtet er – gerade bei Menschen, die sich nicht mehr so gut ausdrücken können – auf kleinste Signale, um zu erkennen, ob sein Angebot passt: „Meine Aufgabe ist, so feinfühlig wie möglich zu reagieren. Ich mache das, was mir mein Gefühl, mein Herz, sagt.“

 

Musik als Brücke

„Ich hatte das Privileg, mein Leben lang von Musik umgeben gewesen zu sein und weiß um ihre Kraft“, so Arnold Medicus. Musik kann Ängste reduzieren, Schmerzen subjektiv lindern und Erinnerungen wecken, aber vor allem berührt sie das Herz. Gleichzeitig schafft sie Nähe und Verbundenheit, sowohl für Betroffene als auch ihre Angehörigen. Gerade bei Menschen mit Demenz gewinne Musik noch einmal an Bedeutung: „Dort, wo die Sprache zum Ausdruck von Gefühlen zu versiegen beginnt, wird Musik zu einer besonderen Form der empathischen Begegnung. Sie kann Geborgenheit und inneren Frieden schenken.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm die Begleitung von Frau M. Sie liebte Musik, Gedichte und die Schönheit der Natur. Arnold Medicus spielte ihr auf der Geige vor, las Balladen von Schiller und Goethe und betrachtete mit ihr Bilder und Reisefotos. Als ihre Tochter ihm eines Tages schrieb, dass Frau M. im Sterben liege und Unterstützung brauche, zögerte er nicht. Wieder wurde er von Frau M. mit leuchtenden Augen empfangen. Er spielte ihr alte Volkslieder auf der Geige vor und verbrachte die letzten Stunden still an ihrem Bett. „Sie bedankte sich bei mir auf eine Weise, die ich niemals vergessen werde. Das ging ganz tief ins Herz.“ Als er sich verabschiedete, wusste er, dass es ihr letzter Abschied sein würde. „Natürlich war da Trauer. Doch noch stärker war die Dankbarkeit, einen so wunderbaren Menschen auf seinem letzten Weg begleitet haben zu dürfen.“

 

Ehrenamtliche Verstärkung gesucht

Das Mobile Hospizteam sucht engagierte Unterstützung. Im Grundkurs für Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleitung werden Interessierte umfassend auf ihre Aufgabe vorbereitet. Die Anmeldung für den nächsten Kurs mit Beginn im Oktober ist bis 17.9.2026 möglich. Nähere Informationen unter 0676 87 76 24 66, www.hospiz-caritas.at