Wenn Worte fehlen, dann sprechen Gesten

16.10.17

Ein dumpfer Polterer – dann folgte Stille. Ich hatte gerade ein kleines Nickerchen auf dem Sofa gemacht, als Hans aus dem Bett fiel. Warum hatte ich nicht besser aufgepasst! Kaum berührte ich ihn, begann er laut zu wimmern. Früher war Hans ein athletischer Mann. Durch die Krankheit war er aber nun mehr ein Schatten seiner selbst. Nur deshalb konnte ich ihn mit seinen knapp 60 Kilo wieder ins Bett hieven.

Dann nahm ich seine Hand, streichelte sie und begann im Plauderton: „ Ja, Hans, wie ist denn das passiert? Hast du dir wehgetan? Wo hast du denn Schmerzen?“  Der Sinn meiner Worte drang nicht mehr zu ihm durch. Mein Sing-Sang, meine Gesten und meine Berührungen, die verstand er und dankte mir oft auf seine Weise mit einem Blick und – ganz Kavalier der alten Schule – mit einem Handkuss. Diesmal aber ließ er sich nicht beruhigen. Als würde eine Antwort dort oben stehen, wanderten seine Augen unruhig suchend die Decke entlang und dabei jammerte er leise vor sich hin. Ich ahnte schon Böses und rief den Arzt.

Aus seiner Welt gerissen
Danach folgte ein Albtraum: der Oberschenkelhals war gebrochen und musste operiert werden. Hans war durch die Schmerzen, die fremde Umgebung und die vielen unbekannten Menschen total verwirrt. Alles, was ihm zu Hause noch etwas Sicherheit gab, war plötzlich weg. Das Pflegepersonal tat zwar sein Bestes, aber sie verstanden weder seine „Sprache“ noch kannten sie seine kleinen Gewohnheiten. Dieses Unverständnis und die Schmerzen machten ihn aggressiv. Er wollte nur eins: weg von dort!

Hilfe annehmen
Während Hans im Spital lag, musste die Badezimmertür für den Rollstuhl verbreitert werden, dass Esszimmer  umgestellt und ein Lift für die Badewanne besorgt werden. Gleichzeitig kümmerte ich mich um eine 24-Stunden-Pflege und stellte den Antrag auf  Erhöhung des Pflegegeldes. Hyperaktiv stürzte ich mich auf jede neue Aufgabe, um mich abzulenken. Denn bei jedem Blick auf das neu installierte Krankenbett in unserem Schlafzimmer wurde mir klar: das ist die letzte Phase in unserem gemeinsamen Leben.

 

Hier Teil 1, Teil 2 und Teil 3 der Serie nachlesen.

Tipp zum Nachmachen

von DGKP Karin Baumgartner MSc, Hausleitung im Caritas Haus Lisa in Deutschkreutz

Am Ende bleibt die Zärtlichkeit 

Die Alzheimer Krankheit entwickelt sich bei jedem Menschen ein bisschen anders. In der letzten Phase kann es passieren, dass der Patient selbst seine nächsten Angehörigen nicht mehr erkennt, bettlägrig wird und sich nicht mehr artikulieren kann.

 

Hier mein Tipp zum Nachmachen:

Die Pflege in dieser Phase ist für jeden Angehörigen sowohl physisch als auch psychisch ein Grenzgang. Auch wenn es Ihnen schwer fällt: Lernen Sie Hilfe anzunehmen. Nutzen Sie Ihre Kraft für den Abschied.

 

Sie haben Fragen zur Pflege im Alter?

Telefon 0676 83 730 730

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