Mutmachen für ein Sterben Zuhause

10.07.18

Viele Menschen möchten auch in ihrer letzten Lebensphase in ihrer vertrauten Umgebung betreut werden. Das trägerübergreifende Projekt "Hospiz und Palliative Care in der Hauskrankenpflege", kurz HPC Mobil, ermöglicht diesen Wunsch durch eine besondere Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflege Zuhause.

Leben und Sterben gehören zusammen. Derzeit sterben rund 70 Prozent aller Menschen in Österreich in Institutionen. „Jeder Mensch soll am Ende seines Lebens jene Begleitung und Versorgung erhalten, die er oder sie dringend benötigt. Menschen wollen zumeist möglich lang in der vertrauten Umgebung, in den eigenen vier Wänden leben, und auch zuhause sterben können. Mit Hospiz- und Palliative Care in der Hauskrankenpflege haben wir hier einen wichtigen Schritt gesetzt!“ zeigt sich Caritas Generalsekretär Klaus Schwertner bei der abschließenden Pressekonferenz erfreut. Moderiert von Ricarda Reinisch wurde im Anschluss an die Pressekonferenz am Nachmittag der Abschluss des herausragenden Trägerübergreifenden Projektes gefeiert. Waltraud Klasnic, die Präsidentin des Dachverbandes Hospiz Österreich gratulierte den vier Wiener Trägern Caritas der Erzdiözese Wien, Caritas Socialis, Arbeiter Samariterbund und Volkshilfe zum erfolgreichen Abschluss des dreijährigen Projektes. Susanne Csengel berichtet stolz: „In der Caritas Pflege Zuhause Wien wurden 80 Prozent aller MitarbeiterInnen in Hospiz und Palliativ Care in Drei-Tages-Workshops geschult. Dabei ging es darum, erkennen, was Lebensqualität in der letzten Lebensphase bedeutet und wie sie gemeinsam mit KundInnen, Angehörigen und Vertrauenspersonen ermöglicht werden kann. Zu verstehen, wann es nicht mehr darum geht, Heilung anzustreben, sondern fürsorgend, lindernd und umfassend in einer letzten Lebensphase zu begleiten.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren von den Workshops begeistert. Pflegeassistent Gerhard Barth erinnert sich: „Die Workshops haben wirklich viel gebracht. Besonders das Reden über Dinge, an die man nur selten denkt, die aber dann, wenn man sie braucht, sehr wichtig sind.“ Das Erlernte hat er auch in der Praxis bereits angewendet, persönlich berührt hat ihn auch das Maßband als Symbol für die Zeit, die man noch hat: „Man glaubt immer man lebt ewig, hat noch 100 Jahre. Zu sehen, dass das nicht so ist, hat mich ein bisschen nachdenklicher gemacht. Ich sage jetzt eher, ich darf nicht immer alles verschieben.“ Ohne Frontalunterricht werden Grundbegriffe interaktiv und anhand eines selbst gewählten, fiktiven Fallbeispieles erarbeitet.

Geleitet werden die Workshops von Caritas-internen Hospiz- und Palliativ Care Trainerinnen und Trainern. Sie absolvierten eine einwöchige Ausbildung. Yvonne Schröckenfuchs, DGKP Pflege Zuhause Rudolfsheim, und Marion Chihungi, Leiterin Pflege Zuhause Wieden, sind zwei von ihnen. Marion Chihungi über die Ausbildung: „Der Lehrgang hat mich wieder aufgeweckt, munterer gemacht. Ich versuche jeden Tag bewusst zu leben.“ Gereizt hat es sie, sich herausfordernden Themen zu stellen. Als Trainerin schätzt sie besonders die Begegnung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Yvonne Schröckenfuchs findet es „ur-cool“ Trainerin zu sein. Sie freut sich darüber, dass sie es schafft – inzwischen selbstsicherer – vor einer Gruppe zu sprechen und einen Workshop zu leiten – und über die viele Anerkennung, die sie erfährt. „Als Trainerin und Palliativbeauftragte bringe ich mich als ganzer Mensch ein. Dazu gehört die Gabe schwierige Situationen aushalten zu können und trotzdem noch ein Lächeln zu finden.“


Die Caritas der Erzdiözese Wien will Hospiz und Palliative Care nachhaltig sichern. Christian Klein, Bereichsleiter Pflege: „Wir wollen die erworbenen Kompetenzen, die erreichten Qualitäten und auch die etablierten, erforderlichen Strukturen nachhaltig wirksam weiterführen. Hierzu gehören wesentlich unsere sechs Palliativbeauftragten, unsere drei ständigen Palliativgruppen und die Einführungsworkshops für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“


Barbara Wiesbauer-Kriser, Pflegedienstleiterin Wien und Projektleiterin bringt die Wirkung des Projektes auf den Punkt: „Seit dem Projekt Hospiz und Palliative Care spüre ich, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unsere Kundinnen und Kunden in dieser Situation mit mehr Sicherheit begleiten können!"

Mehr über das Wiener Projekt Hospiz und Palliative Care in der Hauskrankenpflege erfahren Sie unter: www.hpc-mobil.hospiz.at.

Tipp: Lassen Sie sich den Kurzfilm „Mutmacher“, ebenfalls auf dieser Homepage zu finden, nicht entgehen.

  • Klaus Schwertner, Robert Oberndorfer, Waltraud Klasnic, Oliver Löhlein und Otto Knapp

    Klaus Schwertner, Robert Oberndorfer, Waltraud Klasnic, Oliver Löhlein und Otto Knapp

  • Klaus Schwertner, Robert Oberndorfer, Waltraud Klasnic, Oliver Löhlein und Otto Knapp

    Klaus Schwertner, Robert Oberndorfer, Waltraud Klasnic, Oliver Löhlein und Otto Knapp