„Noch einmal so tun als ob“

11.09.18

Wanderausstellung Christiane Mähr Ludesch

Im Rahmen der neu eröffneten Hospiz-Ausstellung im Ludescher Gemeindeamt las die Vorarlberger Autorin Christiane Mähr kürzlich aus ihrem berührenden Buch „Bussi, baba“ und schilderte die letzten drei Monate mit ihrer totkranken Mutter.

Die rund 50 BesucherInnen ließen sich nicht nur auf die emotionalen Worte von Christiane Mähr ein, sondern zeigten vor allem auch großes Interesse an der Wanderausstellung „Leben>Tod“ und an der Arbeit von Hospiz Vorarlberg. „Es ist ein schmerzliches, aber auch sehr wichtiges Thema. Viele Menschen fühlen sich mit dem Thema aber alleine gelassen, weil niemand darüber reden will. Hospiz Vorarlberg und diese Wander-Ausstellung machen daher eine wichtige Bewusstseinsbildung und  zeigen Möglichkeiten auf, wenn man mit dem Thema Tod und Trauer konfrontiert wird“, so Dieter Lauermann, Bürgermeister der Gemeinde Ludesch. Auch die anderen anwesenden Bürgermeister, Harald Witwer (Thüringen), Michael Tinkhauser (Bludesch) und Wilhelm Müller (Thüringerberg) unterstützen diese Ausstellung sehr gerne.

Eine ganz persönliche Lebensreise
Dieses Gefühl des Alleinegelassen-Werdens verspürte auch die Feldkircher Autorin und Kommunikationsberaterin Christiane Mähr in den drei Monaten des Abschiednehmens von ihrer Mutter. „Diese Ungewissheit und das Auf und Ab der Gefühle machten mich fertig. Ich fühlte mich total verloren und alleine.“ Sie kommunizierte viel per Mail mit ihren Freunden und mit ihrem Mann. Aus all diesen sehr persönlichen Mails wurde schließlich dieses Buch, geschrieben als Tagebuch einer sehr intensiven und emotionalen Zeit, in der aber nicht nur getrauert und geweint wurde, sondern auch gelacht, wie Christiane Mähr in ihrem Buch ebenfalls schildert. So konnten sie zum Beispiel bei den letzten gemeinsamen Weihnachten für ein paar Stunden die totbringende Krankheit vergessen und am Heiligen Abend noch „einmal so tun, als ob alles ganz normal wäre“.

Leben>Tod
Diese Erfahrung, dass auch am Ende des Lebens noch Freude im Herzen sein kann, machen immer wieder auch die MitarbeiterInnen von Hospiz Vorarlberg und die rund 200 ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen, wenn sie schwer erkrankten oder trauernden Menschen in Vorarlberg beistehen. „Durch die aktuelle Hospiz-Kampagne Leben>Tod möchte die Caritas ihr großes Anliegen, nämlich für Menschen am Ende ihres Lebens eine möglichst hohe Lebensqualität zu schaffen, in den Mittelpunkt rücken. Denn Sterbende sind vor allem eines: Lebende bis zuletzt“, so Klaus Engstler, Stellenleiter bei Hospiz Vorarlberg.

Die aktuelle Ausstellung gibt Einblicke in die Arbeit und regt auch zum Nachdenken über die eigene Endlichkeit an. In verschiedenen öffentlichen Räumen soll so der Dialog über ein gutes Leben bis zuletzt ermöglicht werden. Vom 3. bis 12. September ist die Ausstellung im Ludescher Gemeindeamt zu sehen.

Wander-Ausstellung Hospiz Vorarlberg in Ludesch
Vom 3. bis 12. September, jeweils zu den Öffnungszeiten im Foyer des Gemeindezentrums