Brauchst nit glauben, dass I deppat bin!

19.10.18

Ina war 75 Jahre alt, als sich die Familie über ihren eigenartigen Humor zu wundern begann. Keiner wollte es wahrhaben. Auch Petra – ihre Nichte - verdrängte, was ihr als Pflege-Profi schon längst  klar war.

Die Symptome der Alzheimer Krankheit traten immer deutlicher hervor: sie vernachlässigte ihr Äußeres, wollte nicht mehr reisen, nicht mehr in den Kegelclub gehen oder Freunde besuchen. Und! Sie begann uns alle ausführlich und unkonventionell zu beschimpfen.

„Fassade“ aufrecht erhalten
Womit sie als Pflegeleiterin professionell tagtäglich umging, machte sie nun als Angehörige hilflos und  unendlich traurig. Wenn sie nach Worten rang oder mitten im Satz den Faden verlor– das konnte sie noch
wunderbar überspielen. Es verwirrte sie aber, wenn andere etwas behaupteten, an das sie sich selbst nicht mehr erinnern konnte. Wurde die Situation für Ina dann sogar peinlich, reagierte sie sehr schnippisch.

Verwirrt sein macht zornig
Die Situation eskalierte bei einer Familienfeier. Tante Ida sollte ihre Tabletten nehmen. Je mehr man auf
sie einredete, umso mehr schimpfte sie, wurde sogar gewalttätig und lief dann – es war November - ohne Mantel aus dem Gasthof. Sie flüchtete vor den Fragen, die sie nicht mehr beantworten konnte, einer Umgebung, in der sie sich nicht orientieren konnte vor Menschen, die sie kennen sollte, aber für sie nur mehr Fremde waren. All das machte sie unheimlich wütend.

Zufrieden im Hier & Jetzt
Beide trabten frierend im Regen, während Ida schimpfte: „Die brauchn do nit glauben, dass i deppat bin! I loss ma nix vorschreibn!“ Vor der Auslage eines Blumengeschäfts blieb sie endlich stehen und landete dort, wo sie sich wohlfühlte: im Hier & Jetzt! Ohne lästige Fragen und ohne sinnlose Diskussionen. Wie schön die Rosen seien und wie sehr sie weiße Lilien liebe. Während die zwei so plauderten, führte sie Petra behutsam auf den Weg zurück nach Hause.

 

TIPP: Bleiben Sie ruhig und lenken Sie ab!

DURCHATMEN und wenn nötig den Raum verlassen, bevor die Situation eskaliert. Je ruhiger Sie sind, umso leichter können sie auch einen aggressiven Alzheimer Patienten, eine aggressive Alzheimer Patintin durch  Ablenkung wieder beruhigen.

Diskussionen oder Fragen über ein Warum sind sinnlos, denn Alzheimer PatientInnen können nicht rational argumentieren. Einfache Themen des Alltags, das Wetter, Bilder an der Wand, alles was sichtbar
ist, können beplaudert werden und geben den PatientInnen das Gefühl, angenommen und verstanden
zu werden. Den Erkrankten, die Erkrankte jedoch zu ignorieren, ist eine Form von seelischer Gewalt.

 

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