„Hier kann ich frei sprechen“

08.05.19

Christina Pletzer (Foto) und Lorenz Winkler begleiten die neue Selbsthilfegruppe (Foto: Caritas Tirol). 

 

Gedächtnisprobleme?
Vergesslichkeit?   
Orientierungsprobleme?
Demenzdiagnose? 

In Innsbruck gibt es bei der Caritas Tirol erstmals eine unterstützte Selbsthilfegruppe für Personen mit Gedächtnisproblemen. 

Wozu braucht es diese Gruppe?

Derzeit richten sich die Angebote vorwiegend an Demenzbetroffene, die sich bereits im späteren Stadium der Erkrankung befinden. Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen (Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme etc.) umfassen jedoch eine große Bandbreite. Es gibt immer mehr sogenannte Frühbetroffene, aber auch ältere Menschen, die im Alltag mit Gedächtnisproblemen zurechtkommen müssen. Diese Personen werden häufig nicht mitgedacht, da man ihnen ihre Einschränkungen zunächst nicht ansieht, die aber trotzdem im Alltag darunter leiden. Aus diesem Grund hat sich die Caritas Tirol dazu entschlossen, ein Angebot ins Leben zu rufen, dass den Fokus auf diese Personengruppe richtet.  

Was ist die Selbsthilfegruppe genau? 

Bei den Treffen der neuen Selbsthilfegruppe geht es um den gemeinsamen Erfahrungsaustausch im Kreise von Gleichgesinnten. In einem geschützten Rahmen und in einer angenehmen Atmosphäre ist es möglich, sich aktiv mit der verändernden Lebenssituation auseinanderzusetzen, alltagspraktische Tipps auszutauschen, sich gegenseitig Mut zu machen oder auch einfach nur zu plaudern, zusammen Spaß zu haben und zu lachen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es sich hierbei nicht um ein klassisches Betreuungsangebot handelt, sondern dass es um Selbsthilfe unter Gleichbetroffenen geht. 

Worüber wird gesprochen? 

Die Teilnehmenden bestimmen selbst, worüber sie gern sprechen möchten. Mögliche Themen können aber sein: 

  • Erleben der aktuellen Situation
  • Bewältigungsaufgaben meistern, Selbstvertrauen und Handlungskompetenz fördern
  • Sich trauen, offener mit einer Diagnose umzugehen
  • Problematische Fragen in der Familie und im sozialen Umfeld ansprechen
  • Sehen, dass es Gleichbetroffene gibt, denen es im Alltag ähnlich ergeht und denen dieselben Fragen durch den Kopf gehen

Wer begleitet die Gruppe? 

Die organisatorische Koordination und fachliche Begleitung der Gruppe übernehmen zwei Caritas-Mitarbeiter/innen. Sie sind auch immer Ansprechpersonen und geben Informationen und Hilfestellungen bei spezifischen Fragen. 

Wann und Wo?

Für den Austausch untereinander bietet die Gruppe einen offenen und zugleich geschützten Raum. So können die Teilnehmenden über alles reden, was ihnen auf dem Herzen liegt - jeweils am ersten Mittwoch im Monat von 10:00 bis 12:00 Uhr im Demenz-Servicezentrum der Caritas Innsbruck, Sillgasse 5.

Die Teilnahme ist kostenlos. Bitte um kurze telefonische Voranmeldung bei: 

MMag.a Christina Pletzer
+43 512 57 45 15
+43 676 8730 6301
c.pletzer.caritas(at)dibk.at   

oder

Mag. Lorenz Lois Winkler
+43 512 57 45 15
+43 676 8730 6210
l.winkler.caritas(at)dibk.at  

 

Die Innsbrucker Selbsthilfegruppe in demenz.DAS MAGAZIN
Das neuartige Angebot der Innsbrucker Selbsthilfegruppe hat auch das Interesse des deutschsprachigen demenz.DAS MAGAZIN gefunden. In seiner Ende Mai 2019 erscheinenden Ausgabe zum Thema „Selbstvertretung und Selbsthilfe“ findet sich dazu ein Interview mit MMag.a Christina Pletzer („Tirol startet durch!“). In zwei weiteren Beiträgen der Caritas-Mitarbeiterin plädiert diese für das Recht demenzbetroffener Menschen auf einen eigenen Standpunkt und macht Vorschläge, wie sich dies auch in der Beratung von Angehörigen einbringen lässt.